Artenschutz: Unsere Insektenoase

Die Entwicklung von der Wiese bis zur Winterruhe

Der Anfang war eine Idee, dann eine umgebrochene Wiese, sehr sonnig, trocken und windg und dann die Feststellung, dass wir etwas früher im Jahr hätten starten müssen. Die Vorstellung war, die eine Hälfte mit guten Bienen- und Hummelfutterpflanzen aus dem Garten zu besiedeln. Und  die andere Hälfte mit schönen „Wilden“, die auch in dem einen oder anderen Garten noch ein Plätzchen finden könnten. Als Trachtpflanzen (gute Pollen und Nektarspender) für den „Gartenteil“ haben wir viele bekannte Kräuter von unseren eigenem Sämlingspflanzen gesetzt, wie Thymian, Lavendel, Salbei, Ysop, mehrjähriges Bohnenkraut und Oregano. Nächstes Jahr sollen sie noch durch einjährige Kräuter wie Borretsch, Fenchel und Dill ergänzt werden, damit auch eventuell eine Schwalbenschwanzraupe etwas zu futtern hat. Blühender Schnittlauch ist bei den fliegenden Gästen ebenfalls sehr beliebt und, wie wir leider feststellen mussten, auch die Wurzeln bei den reichlich vorhandenen Mäusen. Mit diesen zahlreich vorhandenen Bewohnern der Wiese, genauso wie mit den Hasen, die Johannisbeerenäste lieben, haben wir eine gewisse Lernkurve machen müssen.

Vorbereitung der Gartenseite
Erste Pflanzungen im April

Damit möglichst von früh im Jahr bis in den Spätherbst Blüten mit Nektar und Pollen zur Verfügung stehen, sind jetzt im Herbst noch einige Blumenzwiebeln für das Frühjahr gesetzt worden (z.B. Krokusse, Winterlinge,Traubenhyazinthen), in der Blütezeit werden sie gefolgt von Lungenkraut, besonders bei Hummeln beliebt und dann von weiteren Fruchtpflanzen wie Himbeeren und Brombeeren. Im Sommer kommen Lupinen, Kugeldisteln, Bergminze (Calaminthe) und Katzenminze dazu. Der Herbst ist noch etwas wenig abgedeckt, mal sehen ob die Fetthenne, Sonnenhut, Astern, Duftnessel (Agastache) und Efeu die Lücke nächstes Jahr noch etwas schließen können. Das Frühjahr ist eine gute Zeit im Garten Stauden auszugraben und neu zu pflanzen. Da fallen so einige Ableger ab. Wichtig ist bei der Auswahl immer, dass auf ungefüllte Blüten geachtet wird. Gefüllte Blüten sehen zwar vielleicht besser aus, aber sie sind oft so züchterisch verändert, dass die Bienen nicht an den Nektar herankommen und es wird auch oft kein Nektar oder Pollen mehr gebildet.

Erste Wildbienen im Mai am Schnittlauch
Wildbiene im September an einer Nachtkerze

Ein kleiner Tipp für die Auswahl einer guten Bienenfutter-Sorte: während der Blütezeit, wenn die Pflanzen in den Gärtnereien im Freien stehen, kann man schon mal erkennen, wo die Vorlieben bei der fliegenden Zunft liegen. Ein Blick in Nachbarsgarten und eine nette Frage nach Ablegern, kann ebenfalls die Verbreitung der Futterpflanzen verbessern. Und noch ein Tipp: immer kleine Gruppen pflanzen, da Bienen bei der Suche nur in einem sehr groben Raster sehen, einzelne Blütenpflanzen würden sie kaum erkennen.

Man merkt an den vielen aufgezählten Pflanzen, dass die „Gartenseite“ schon gut gediehen ist. Gepflanzt wurde immer wieder, wenn Zeit war und das Wetter etwas feuchter. Bis wir uns der anderen Seite mit den „Wilden“ widmen konnten, war es schon Sommer und viel zu warm und zu spät zum säen oder pflanzen. Und wir mussten auch feststellen: Wiesengras wächst sehr schnell wieder nach. Deswegen fehlt auf dieser Seite noch einiges von den geplanten Pflanzen. Bisher haben sich dort hauptsächlich Akelei für das Spätfrühjahr, Nachtkerzen für die sommerlichen Nachtschwärmer und unbeliebte Disteln eingefunden. Für uns sind sie nur sehr stachelig, aber bei den Bienen und Hummeln sehr beliebt und auch die Samen finden dankbare Abnehmer bei Distelfinken und anderen Vögeln oder Kleinsäuger. Wer weiß, vielleicht sind auch unsere Rebhühner von den Samen und der Deckung begeistert.

Apropos Rebhühner: bei unserem Auftauchen bei der Oase waren sie zwar schnell aufgeflogen und schnell weg, aber es könnten bis zu 6 Rebhühner gewesen sein, die uns dort in guter Gesellschaft mit einer Eidechse besuchten. Ein Fuchs patroulierte auch schon darum.

Bepflanzungsstand im September

Im nächsten Frühjahr sollen bei den „Wilden“ auf jeden Fall noch Wegwarte, wilder Salbei, Natternkopf, Skabiose, Witwenblumen (Knautien) und  Flockenblumen Einzug halten, teils gesät, teils als Pflanzen. Mit Glockenblumen werden wir wohl kein Glück haben, auch wenn einige Wildbienen auf Glockenblumenarten spezialisiert sind, der Standort ist für sie nicht günstig, aber man kann nicht alles haben.

Damit die Wildbienen auch noch nisten können, sind schon die ersten Nisthilfen aufgestellt. Die ca. 60 senkrecht stehenden markgefüllten Stängel von Brombeeren, Himbeeren oder ähnliches sind, obwohl sie erst im Juli aufgestellt wurden, schon zur Hälfte besiedelt. Bei der anderen Nisthilfe für die bodenbrütenden Wildbienen, ein kleiner Haufen der steinfreien, recht sandigen Erde, sind wir uns über die Besiedelung noch nicht sicher. Aber im eigenen Garten kann es schon helfen, trockene sonnige Stellen mit leicht sandigem Boden möglichst von Pflanzenbewuchs freizuhalten. Hinweise für eine Besiedelung sind einzelne Löcher in der Erde bzw. kleine einzelne „Vulkane“ aus kleinen Erdkrümmeln. Diese verschwinden wieder, wenn die Bienen fertig sind, leider auch bei Regen. Wenn sie auftauchen, bitte möglichst nicht weg machen, die Kegelchen sind eine Orientierungshilfe für die Bienen.

Als weitere Nisthilfe entsteht ein Totholzhaufen, er soll mit den Jahren noch etwas wachsen. Dafür hat ein großer Baumstumpf im Herbst das Angebot als Nisthilfe und Lebensraum für verschiedene Insekten, Käfer und Kleintiere stark erweitert.

Nisthilfen im Überblick
Markgefüllter Stängel als Nisthilfe
Nisthilfe für bodenbrütende Wildbienen
Baumstumpf als Nisthilfe

Falls sich jemand wundert, warum auf einigen Bildern Zeitungen auf der Fläche zu sehen sind: wie gesagt, das Wiesengras war schneller und wächst sehr kräftig. Eine Abdeckung mit Zeitungen über einige Wochen oder über Winter erleichtert die Entfernung des Grases erheblich.

Im Herbst kamen am Gehölzrand noch Obstbäume wie Weinbergspfirsich und Zwetschgen dazu.

Mal sehen, wie alles den Winter übersteht und wie viele Wildbienen und andere Gäste dann nächstes Jahr unsere Oase besuchen.

Obstbäume vor Gehölzrand